100 Jahre
Karlheinz
Deschner

Schrift­stel­ler, Auf­klä­rer, Pro­vo­ka­teur

“Aufklärung ist Ärgernis, wer die Welt erhellt, macht ihren Dreck deutlicher.”

Mit die­sem Apho­ris­mus for­mu­lier­te Karl­heinz Desch­ner das eige­ne Lebens­mot­to. Denn Desch­ner war die Per­so­ni­fi­ka­ti­on des auf­klä­re­ri­schen Ärger­nis­ses, ein Sta­chel im Fleisch der Zeit, an dem sich die Dis­kus­si­on immer wie­der ent­zün­den muss­te. Wer das mul­mi­ge, indif­fe­ren­te Gefühl hat­te, dass da irgend­et­was Grund­le­gen­des nicht stimmt, an die­ser Reli­gi­on, die­sem Staat, die­ser Gesell­schaft, die­ser Kunst, der fand in Karl­heinz Desch­ner einen, der es prä­gnant auf den Punkt brach­te.

WERK

Als eigen­stän­di­ger Schrift­stel­ler trat Desch­ner erst rela­tiv spät ins Licht der Öffent­lich­keit, mit 32 Jah­ren. Von star­ken Selbst­zwei­feln ge­plagt, hat­te er zuvor alles ver­wor­fen, was er müh­sam zu Papier gebracht hat­te. Mit dem 1956 erschie­ne­nen Roman Die Nacht steht um mein Haus, ent­stan­den in nur einer Woche, ent­lud sich die ins schier Uner­träg­li­che gewach­se­ne krea­ti­ve Span­nung mit unge­heu­rer Wucht. Es hat den An­schein, als sei bei Desch­ner durch die Ver­öf­fent­li­chung des Romans „der Kno­ten geplatzt“. Auch wenn Desch­ner in der Fol­ge­zeit kei­nes­wegs nur reli­gi­ons­kri­ti­sche Bücher ver­öf­fent­lich­te, so wur­de der Autor von nun an haupt­säch­lich als Kir­chen­kri­ti­ker wahr­ge­nom­men. Nach jah­re­lan­ger Vor­ar­beit brach­te der Rowohlt Ver­lag 1986 den ers­ten Band der auf zehn Bän­de ange­leg­ten Kri­mi­nal­ge­schich­te des Chris­ten­tums her­aus.

BLOG

In Erinnerung an Gabriele Röwer

Am 13. Okto­ber 2018 ver­starb die lang­jäh­ri­ge Weg­be­glei­te­rin von Karl­heinz Desch­ner Gabrie­le Röwer. Röwer hat­te zunächst Theo­lo­gie stu­diert, sich dann aber vom Chris­ten­tum abge­wandt und sich dem Stu­di­um der Phi­lo­so­phie, Ger­ma­nis­tik und Psy­cho­lo­gie gewid­met. Beruf­lich war sie päd­ago­gisch und the­ra­peu­tisch in Mainz tätig. Seit ihrer Pen­sio­nie­rung war sie u.a. als Mit­her­aus­ge­be­rin nach­ge­las­se­ner Schrif­ten des Schwei­zer Reli­­­gi­ons- und Kir­chen­kri­ti­kers Robert Mäch­ler tätig und küm­mer­te sich inten­siv, um das schrift­stel­le­ri­sche Erbe von Karl­heinz Desch­ner. So betreu­te sie die Desch­­­ner-Edi­­­ti­on des Ali­bri Ver­la­ges und schrieb zahl­rei­che Tex­te für deschner.info. Stets enga­gier­te sie sich für eine auf­ge­klär­te­re und bes­se­re Welt. Bis zuletzt set­ze sie sich in Mainz für die Flücht­lings­hil­fe ein.

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Auf hohlen Köpfen ist gut trommeln

Vor zehn Jah­ren erschien mit “Auf hoh­len Köp­fen” ist leicht trom­meln– eine vom Ver­fas­ser auto­ri­sier­te Aus­wahl letz­ter Hand sei­ner Apho­ris­men. Die­se ver­ei­nig­te Karl­heinz Desch­ners teil­wei­se schon ins all­ge­mei­ne Sprach­gut auf­ge­nom­me­ne Favo­ri­ten aus den Berei­chen „Geist und Kunst“, „Mensch und Leben“, „Geschich­te und Poli­tik“, „Gesell­schaft, Recht, Natur“ sowie „Reli­gi­on und Kle­rus“ und „Über mich selbst“. In sei­ner erst nach der Lebens­mit­te ent­deck­ten Lieb­lings­gat­tung – ein „Hand­streich mit dem Kopf“ – kom­pri­mier­te er die geis­­­tig-emo­­­tio­na­­­le Essenz sei­ner übri­gen Wer­ke, sie zu- und über­spit­zend, oft sar­kas­tisch, auch para­dox. Das Werk ist wei­ter­hin im Han­del erhält­lich.

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“Der manipulierte Glaube” bekommt Neuauflage

Im Rah­men sei­ner Desch­ner Edi­ti­on wird der Ali­bri Ver­lag einen wei­te­ren Klas­si­ker von Karl­heinz Desch­ner auf­le­gen. In “Der gefälsch­te Glau­be” (ursprüng­lich: Der mani­pu­lier­te Glau­be) unter­sucht Karl­heinz Desch­ner zen­tra­le christ­li­che Glau­bens­leh­ren. Dabei zeigt sich: Was bis heu­te vom Katho­li­zis­mus als geof­fen­bar­te Wahr­heit gepre­digt wird, ist viel­fach von älte­ren Reli­gio­nen oder hel­le­nis­ti­schem Gedan­ken­gut über­nom­men. Ob Tau­fe oder Abend­mahl, Beich­te und Buße, Tri­ni­tät oder Welt­un­ter­gang – alles hat es bereits gege­ben, bevor das Chris­ten­tum die Büh­ne der Welt­ge­schich­te betre­ten hat. Das Buch wird ab Novem­ber im Han­del oder direkt beim Ver­lag ver­füg­bar sein.

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70 Jahre “Die Nacht steht um mein Haus”

1956 ver­öf­fent­lich­te Karl­heinz Desch­ner im Alter von 32 Jah­ren sei­nen Roman Die Nacht steht um mein Haus. Sein lite­ra­ri­sches Debüt wur­de von der Kri­tik begeis­tert auf­ge­nom­men. Wolf­gang Koep­pen zeig­te sich „außer­or­dent­lich beein­druckt“, Wal­ter Muschg nann­te das Buch „eine vehe­men­te Sache“, Peter Rühm­korf sprach von einem „Buch aus Mut und Musi­ka­li­tät“. Auch heu­te noch wird die­se „radi­ka­le Auto­bio­gra­phie“ (Micha­el Schmidt-Salo­­­mon) gewür­digt als „das Werk eines Genies ohne Welt“ (Süd­deut­sche Zei­tung). Bei­de Bücher gel­ten nach wie vor als „Juwe­len der unmit­tel­ba­ren Nach­kriegs­li­te­ra­tur“ (Nürn­ber­ger Nach­rich­ten), wor­in sowohl der Lite­ra­­­tur- als auch der Kir­chen­kri­ti­ker Karl­heinz Desch­ner bereits deut­lich ver­nehm­bar ist. Wer sei­ne Sach­bü­cher schätzt, wird im lite­ra­ri­schen Früh­werk ein erhel­len­des Pen­dant ent­de­cken. Das Buch ist wei­ter­hin im Han­del im Rah­men der Desch­­­ner-Edi­­­ti­on des Ali­bri Ver­lags erhält­lich.

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Video-Portrait zum 100. Geburtstag von Karlheinz Deschner

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Ich denke, also bin ich kein Christ.

Ein Aphorismus ist der Versuch, schon den Ton als Konzert auszugeben.